Wenn mensch über Gewalterfahrungen liest oder hört, kommt oft das Gefühl auf, es betrifft die anderen. Solche anderen nämlich, die mit uns nichts zu tun haben. Dabei brauchen wir uns nur die Statistik anzusehen, wie viele Kinder sexualisierte Gewalt in Österreich betrifft.  

Im beruflichen Kontext sind wir ebenfalls davon betroffen – durch…

  • die Schüler*innen, die sich überhaupt nicht konzentrieren können, weil ihre Stresshormone nicht mehr abgebaut werden,
  • die Jugendlichen, die sich mit Sex, Drogen, Alkohol und Musik komplett abschotten,
  • die Gebärenden, die durch das Geburtserlebnis an frühere Übergriffe erinnert werden,
  • die Kindergartenkinder, von denen wir gerade erfahren haben, dass sie Übergriffe erleben mussten,
  • die Geflüchteten, die ein großes Paket an Situationen aus ihrer Fluchtgeschichte mitbringen, über das sie nicht sprechen können,
  • die pflegebedürftigen Menschen und Menschen mit Behinderung, die wir täglich bei der Körperhygiene unterstützen und die dabei an erlebte Übergriffe erinnert werden…

Sie alle haben Erfahrungen von sexualisierter und/oder anderen Formen von Gewalt gemacht und absolute Ohnmacht erlebt. Die Folgen solch traumatischer Erlebnisse sind gravierend und können bis zu chronischen psychischen Erkrankungen führen.

Aber was ist ein Trauma eigentlich?

Trauma bedeutet Verletzung. Eine Verletzung, die z.B. durch Extremsituationen wie Umwelt-katastrophen (Tsunami, Erdbeben, etc.), Geiselnahme, Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe, Folter, Kriegserlebnisse und vieles mehr entstehen kann. Auch der Tod eines nahe stehenden Menschen kann traumatisierend sein, ein Geburtserlebnis, ein Unfall oder anhaltende psychische Gewalt und Verwahrlosung.

„Traumatisierungen sind Bedrohungen für Leben und körperliche Unversehrtheit.
Psychische Traumata sind immer von Gefühlen intensiver Angst, Hilflosigkeit und Kontrollverlust begleitet“
(Weiß 2008, S. 19)

„Anders als gewöhnliches Unglück bedeuten traumatische Ereignisse im Allgemeinen eine Bedrohung für das Leben oder die körperliche Unversehrtheit, die unvermittelte Begegnung des Betroffenen mit Gewalt und Tod. Durch traumatische Ereignisse ist der Mensch in extremer Weise Hilflosigkeit und Angst ausgesetzt“
(Herman 2006, S. 54)

Als traumatisierend kann aber auch ein sexueller Übergriff empfunden werden, wie ihn Michaela Huber in Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung, Teil 1 beschreibt:

Ein junges Mädchen holt die Post und muss dafür auf einen Schemmel klettern. Eines Tages geht ein Mann vorbei und greift ihr dabei plötzlich unter den Rock.

Noch Jahre später hat sie Probleme damit, auf Leitern zu klettern und Röcke anzuziehen. – Es kommt nicht darauf an, was andere als „schlimm“ bewerten, sondern darauf, wie etwas erlebt wird.

Kinder und Erwachsene, die sexualisierte Gewalt erleben, werden mit großer Wahrscheinlichkeit traumatisiert. 

Manche Menschen leiden ihr Leben lang an den Folgen eines Traumas, andere wiederum nicht. Das liegt an unterschiedlichen Faktoren, die die Verarbeitung und Heilung begünstigen oder erschweren.

Was die Heilung begünstigt

Eine spätere Heilung wird begünstigt durch kompensatorische Elternbeziehungen und durch Halt gebende Beziehungensicheres Bindungsverhalten, Humor, Kreativität, überdurchschnittliche Intelligenz und z.B. ein robustes, aktives und kontaktfreudiges Temperament.

Der Grad der Verarbeitung

Das Alter der betroffenen Personen hat eine große Auswirkung auf eine Traumatisierung und deren Verarbeitung. Je jünger, desto schwieriger. Aber auch die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen, die sie umgeben hat Einfluss, die Beziehung zum/zur TäterIn, die Stärke der geäußerten Drohungen, das emotionale Klima in der Familie, die Schwere der Schuldgefühle, sowie Begegnungsfehler.

Was die Heilung erschwert

Besonders schwer kann ein traumatisierendes Erlebnis verarbeitet werden, wenn sich das Ereignis häufig und lang andauernd wiederholt, starke körperliche Verletzungen damit einhergehen, sowie sexuelle und zwischenmenschliche Gewalt und sadistische Folter. Wenn eine enge Beziehung zum/r TäterIn besteht, es sich um mehrere TäterInnen handelt, das Opfer noch keine gefestigte Persönlichkeit ausgebildet hat, stark dissoziert und niemanden hat, mit dem es über das Geschehene sprechen kann.

Diese Faktoren führen auch oft dazu, dass die betroffene Person an einer posttraumatischen Belastungsstörung erkrankt (PTBS). Jugendliche, deren Traumafolge-Symptome nicht erkannt werden haben eine bis zu 80% höhere Wahrscheinlichkeit, an einer PTBS zu erkranken.

Text: Katja Grach (Team: liebenslust*), gesamter Artikel auf krachbumm.com


Was können wir nun präventiv tun? 

Wie können wir uns weniger hilflos in unserer Betroffenheit fühlen?Wie können wir unterstützen, achtsam und sensibel mit unseren Schützlingen, Kunden*Kundinnen, Patienten*Patientinnen, Klienten*Klientinnen umgehen?

In unserer Weiterbildung „Trauma und Gewaltsamkeit. Prävention sexualisierter Gewalt,“ geht es darum, wie professionell mit dem Thema umgegangen werden kann, und welche Rahmenbedingungen einen respektvollen Umgang für beide Seiten ermöglichen.

Mehr Infos und Anmeldung zu „Trauma und Gewaltsamkeit. Prävention sexualisierter Gewalt.“ (14./15. Oktober) 

 

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