Bei einer solchen Überschrift denkt mensch sich vielleicht: „Um Himmels Willen, das ist doch ein Widerspruch an sich! Kinder haben doch noch gar keine (richtige) Sexualität!“

Doch doch, da hatte der liebe Freud schon ganz gute Ansätze, was das sexuelle Begehren von Kindern angeht und wie unterschiedlich sich dieses im Vergleich zum erwachsenen Begehren ausformt.

Alles schön und gut, aber trotzdem: Kinder in der Krippe und im Kindergarten schon aufklären? Ist das nicht ein bisschen früh?

3 Gründe für Sexuelle Bildung vor der Pubertät

1.) Kinder sind von Geburt an sexuelle Wesen, die ihren Körper ganz selbstverständlich entdecken und dazu auch immer wieder Fragen haben.

2.)  Viele Kinder sind leider auch von klein an sexualisierten Übergriffen und/oder häuslicher Gewalt ausgesetzt. Das ist nicht nur hochgradig traumatisierend, es bedarf auch umso mehr einer Umgebung, die ihnen einen liebevollen und wertschätzenden Umgang mit dem eigenen Körper beibringt. Damit wird der Grundstein für eine gesunde sexuelle Entwicklung gelegt.

3.)  Kindgerechte Aufklärung sieht ganz anders aus, als das so manch eine*r vermuten würde.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit der Aufklärung zu beginnen?

Wenn ich in Workshops und Vorträgen gefragt werde „Wann soll ich mit der Aufklärung meines Kindes beginnen?“, antworte ich immer: „Ab Null Jahren.“ Wieso von Geburt an? Weil Sexualität weit mehr ist als Kamasutra, Fortpflanzung und Liebe. Aufklärung im Kleinkindalter und Kindesalter hat ganz andere Inhalte, als bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Oft haben wir im Erwachsenenalter vergessen, was uns damals als Kinder selbst so neugierig gemacht hat.

aufklaerung

Bereits als Neugeborene besitzen wir eine Sexualität. Ganz vereinfacht gesagt ist „Sexualität“ hier als ein Begehren nach Lust und Befriedigung unserer Bedürfnisse zu verstehen. Interessanterweise vollzieht sich die sexuelle Entwicklung vor allem in nicht-sexuellen Bereichen wie

  • unseren Bedürfnissen (und ob wir gelernt haben dafür zu sorgen, eigene Bedürfnisse zu erfüllen oder mit Enttäuschung umzugehen),
  • unserem Körpergefühl (und ob ich Körperlichkeiten und Sinnlichkeiten genießen kann),
  • unserem Beziehungserleben (und ob ich mich geliebt, respektiert und wichtig fühle),
  • und auch unserem Leben als Mensch mit einem Geschlecht (Wurde ich in meinem Sein angenommen, gemocht, mag ich mein Geschlecht? Wäre ich lieber anders (gewesen)?

Sexualität ist eben kein abgetrennter Bereich von uns, sondern verflechtet und verwoben mit unserer Persönlichkeit.

Kindliches Begehren ist nicht dasselbe wie sexuelles Begehren von Erwachsenen

Ganz wichtig ist auch, dass kindliches Begehren und kindliche Lustbefriedigung sich ganz anders äußern als das sexuelle Begehren von Erwachsenen. Erwachsene verfolgen schon konkrete und gelernte Muster der Befriedigung, nicht so bei Kindern. Kindliches Begehren zeigt sich in unterschiedlichsten Ausdrucksformen und ganz ohne etwas von einem Fortpflanzungsziel zu wissen.

Das Schöne daran ist: Kleine Kinder sind einfach vollkommen unbefangen. Sie stellen ihre Fragen, wenn sie ihnen gerade einfallen. Genauso wenig, wie die Worte „Auge“ und „Zeh“ Unbehagen oder Scham in Kindern auslösen, tun dies „Penis“ und „Vulva.“

Sie spielen Dinge nach, die sie sehen und aufregend fanden. Sie beobachten ihre Umwelt ganz genau, um mehr über die Welt und die menschlichen Gefühlswelten zu erfahren.

Deshalb ist liebenslust* auch so wichtig, dass wir Kindern angemessene Informationen geben, ihnen beibringen, wie sie ihre Gefühle benennen können und sie dabei unterstützen, ihre eigenen Grenzen zu spüren und einzufordern.

Wenn euch das auch ein Anliegen ist und ihr euch gern mit anderen dazu austauschen wollt, dann schaut doch bei einem unserer nächsten Termine vorbei! Im November gibt es eine Weiterbildung speziell mit dem Fokus Sexualität und Kleinkindpädagogik. Wir freuen uns darauf, euch kennenzulernen!

Text: Michaela Urabl (Team liebenslust*)

Aufklärungsliteratur für Kinder

Liebens- und Lesenswertes…