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Mit Kindern über Sexualität zu sprechen ist für viele Eltern, Pädagogen und Pädagoginnen keine einfache Sache. Nicht nur weil das Thema irrsinnig komplex ist, sondern weil es gesellschaftlich mit sehr viel Scham besetzt ist. Die wenigsten von uns wurden von den eigenen Eltern aufgeklärt und viele ringen nach wie vor um die richtigen Worte. Wie kann eine altersadäquate Aufklärung also aussehen, bei der Klarheit statt nebulöse Umschreibungen den Ton angeben?

(Über dem ersten Absatz gibt’s ein kleines Bilderrätsel 😉 )

Über Sexualität & Liebe ohne peinliche Berührtheit sprechen

Für viele Erwachsene spielt Sex eine große Rolle in ihrem Leben. Selbst wenn wir keinen oder nur wenig haben, denken wir darüber nach, warum das so ist, ob es nicht mehr sein könnte, wie wir unser Sexleben aufpeppen könnten etc. etc. Und obwohl Sex – nachdem wir die Pubertät endlich überlebt haben – eigentlich kein Kicherthema mehr sein sollte, sondern etwas, über das wir als erwachsene reife Personen ja ganz normal reden können sollten, wollen wir nicht. Wir hoffen, dass der Tag an dem uns unsere Kinder nach Sex fragen so schnell nicht kommen möge. Dabei übersehen wir eines:

Kinder haben erst mal keine Ahnung davon, was Sex für Erwachsene bedeutet.

Oft wollen sie nur ein kleines bisschen Information zur Frage, woher sie eigentlich kommen. Das muss aber nicht bedeuten, dass wir mit ihnen gleich über sexuelle Praktiken reden müssen. Überhaupt nicht. Je nachdem, wie alt unsere Kinder sind, und wie groß ihr Wissensstand schon ist, können wir ohnehin selbst abschätzen, was jetzt wichtig wäre für sie zu wissen, und was noch warten kann.

Allerdings soll das kein Freibrief sein, Gespräche über Sexualität und Fortpflanzung bis in die Unendlichkeit hinauszuschieben. Kinder werden merken, wenn uns dieses Thema total unangenehm ist und wir nicht darüber reden können/möchten. Diese Kultur der Heimlichkeit hat allerdings auch Auswirkungen darauf, wie sie mit dem Thema umgehen lernen und ob sie später, wenn sie in der Pubertät sind, im Notfall auch wirklich fragen kommen.

Erste Hilfe bei Überforderung mit den Fragen der Kinder…

  • „Das ist eine gute Frage. Lass mich ein bisschen drüber nachdenken.“
  • „Darüber muss ich nachdenken. Lass uns später drüber sprechen.“
  • „Weißt du was, ich bin mir da nicht ganz sicher. Ich werde mich da noch ein bisschen schlau machen und ich sag dir dann später, was ich rausgefunden habe.“
  • „Das ist ziemlich schwierig zu erklären und jetzt ist grade kein guter Zeitpunkt für mich es zu versuchen. Aber reden wir einfach drüber, wenn wir zu Hause sind.“

Natürlich soll nicht bis in die Unendlichkeit aufgeschoben werden, weil erstens Kinder ohnehin sexuelle Wesen sind, und zweitens zB Mädchen sich oft ziemlich überfordert sind, wenn sie das erste Mal die Regelblutung bekommen und noch nie davon gehört haben. Also besser früher als später 😉

Wie sag ich’s nun?

Die erste und wichtigste Lektion ist auf jeden Fall: Klare, der Wahrheit entsprechende knappe Antworten geben. Die Bienchen und Blümchen bleiben vorerst in der Mottenkiste. Und dann? Es gibt eine Fülle von Aufklärungsbüchern, die Unterstützung bieten. Je nach Alter und Schwerpunkt des Interesses, bieten sich unterschiedliche Ratgeber an. Vorab, wäre es aber auch ratsam, sich mit den eigenen Werten zum Thema Sexualität auseinander zu setzen und sich die Frage zu stellen, welche Werte und Tabus eine*r eigentlich selbst mittransportiert. Dazu gibt es beispielsweise ein kostenloses e-book zur Unterstützung bei der Selbstreflexion („Wie sag ich’s meinem Kind?“) auf krachbumm.com zu finden.

Wenn der Geschlechtsakt noch keine Rolle spielt, die Familie vielfältiger ist als die „Norm“ und viel Raum für Gespräche und Interpretationen sein soll, empfehlen wir Cory Silvermans Wie entsteht ein Baby, ein Buch für jede Art von Familie. Knallig bunt, auch für kleinere Kinder geeignet. Auf der Seite des Autors gibt es einen tollen (englischsprachigen Reader’s Guide zum Buch).

Wer gerne präventiv mit Kindern arbeiten möchte und neben der Fortpflanzung auch übers Nein-sagen, über Gefühle und Selbstwirksamkeit sprechen möchte, ist mit Mein erstes Aufklärungsbuch aus dem Loewe-Verlag fürs erste sicher gut beraten. Das Buch eignet sich für Kinder ab 5 Jahren und vereint 4 Geschichten in einem Band, die es ansonsten auch einzeln zu kaufen gibt. Der Teil „Ich und meine Gefühle“ kann aber auch mit jüngeren Kindern schon gelesen werden. Die Mut-Geschichte eignet sich tatsächlich eher für 5-jährige, da sie mehr deren Lebensrealität entspricht. Die Aufklärungsgeschichte ist an der heterosexuellen Kernfamilie orientiert und sagt klipp und klar was beim Geschlechtsakt Sache ist.

Wer gerne auf die Pubertät vorbereiten möchte und die Liebe mit ins Spiel bringen will, dem*r sei „Wie ist das mit der Liebe“ von Sanderjin van der Doef empfohlen, ebenfalls aus dem Loewe-Verlag. Dieses Buch ist erst am 9 Jahren und ist schon relativ komplex. Neben den üblichen Aufklärungsthemen wird auch der Vielfalt der Körper Aufmerksamkeit geschenkt, sowie am Rande dem Thema Familie, sexualisierte Gewalt, auch ein Glossar mit „Sex-Begriffen“ findet sich. Weil eben Kinder alles mögliche Aufschnappen.

Wer Kinder hat, die grundsätzlich schon ein bisschen aufgeklärt sind, aber viele Fragen haben, oder sich ein Bild machen möchte, was Kinder so beschäftigt: „Klär mich auf! 101 echte Kinderfragen rund um ein aufregendes Thema“ von Katherina von der Gathen und Anke Kuhl bietet nicht nur einiges zum Schmunzeln sondern auch wirklich kurze und knackige Informationen, die für Kinder leicht verständlich und sehr an konsensueller und vielfältiger Sexualität orientiert sind.

Wer ein positives Körpergefühl in Bezug auf Menstruation vermitteln möchte, sollte sich einmal mit „Liliths Schatz. Eine Geschichte über die Sexualität, die Lust und den Menstruationszyklus.“ genauer ansehen. Im Rahmen einer Crowd-Funding-Kampagne wurde dieses Buch vom Spanischen ins Deutsche übersetzt und behandelt in farbenfrohen Bildern die unterschiedlichen Phasen des Zyklus in einer blumigen Geschichte. Gemeinsames Lesen ist auf jeden Fall empfohlen. Menstruationsartikel werden nicht erklärt!

Und wenn ihr nun noch mehr Fragen habt:

Im Feber bieten wir ein Wochenendseminar zum Thema Sexualität & Kleinkindpädagogik an. Wir freuen uns auf eure Teilnahme!!

 

 

 

 

 

Für Kinder, die eigentlich nur wissen wollen, wo sie herkommen

Liebens- und Lesenswertes…