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Zeig mir dein's, ich zeig dir mein's.

Folgendes Szenario…

Markus ist schwer verliebt. Isabella geht eine Klasse unter ihm in die Schule. Seit drei Monaten sind sie zusammen, seit einiger Zeit übernachten sie auch gelegentlich beim jeweils anderen. Das Thema Sex und Verhütung steht im Raum. Solange sie nicht beieinander sind, schreiben sie wild auf WhatsApp, über ihren Tag, das Vermissen und die Vorfreude auf das Wiedersehen. Sie flirten. Isabella schickt Markus ein Bild von ihren Brüsten, er ihr daraufhin ein Bild von seinem erigierten Penis.

…ist gar nicht so unüblich.

Das Verschicken von Nacktbildern, in der Fachsprache „Sexting“ genannt, kennen wir seit Ewigkeiten. Was früher vielleicht eine Polaroidkamera der Eltern oder der Fotoapparat mit Filmrolle (wer sowas noch kennt) war, ist heutzutage das Smartphone. Schnell ein Bild anfertigen, früher vielleicht ins Kuvert, heute schnell mit dem Smartphone am Klo und per WhatsApp verschicken. Klingt schon weitaus unkomplizierter als früher. Ist es auch – dauert nur ein paar Sekunden, wirkt privater, das Foto muss nicht entwickelt werden und es gibt praktisch keine Chance, dass die Eltern die (peinlichen) Bilder entdecken.

Sexting ist unter Jugendlichen weit verbreitet, wie eine Studie von Safer Internet gezeigt hat. 50% aller Jugendlichen kennen jemanden, der schon einmal ein Nacktbild von sich verschickt hat. 16% sagen, dass sie schon ein Bild von sich angefertigt haben.

Sex und Sexualität sind normale Bestandteile einer jugendlichen Lebenswelt. Dennoch gibt es bei Sexting ein paar Faktoren die mit bedacht werden sollten. Allen voran:

  • Ein Bild, das einmal verschickt worden ist, kann nicht mehr zurückgeholt werden.
  • Das betreffende Bild ist für immer auf einem anderen Handy oder Computer gespeichert.
  • Es kann von dort problemlos geteilt oder weiter verschickt werden. Spezielle Apps, die Fotos angeblich nach wenigen Sekunden wieder löschen, funktionieren schlecht oder gar nicht.

Was das Recht sagt…

Bis Anfang 2016 waren Jugendliche zusätzlich für das Anfertigen von Nacktbildern in Österreich strafbar.Selbst wenn sie diese Bilder von sich selbst anfertigten und nur an ihren festen Freund oder ihre feste Freundin verschickt haben. Der Paragraph 207a StGB wurde mit 1.1.2016 entsprechend verändert. Ab sofort können mündige minderjährige Jugendliche (also Jugendliche ab 14) Nacktbilder von sich für den „Eigengebrauch“ anfertigen und versenden. Markus, aus unserem Beispiel, darf also ein Nacktfoto von seiner 15-jährigen Freundin besitzen – solange diese einverstanden ist. Er darf dieses Bild nicht weitersenden oder anderen Personen zeigen. Auf Aufforderung durch sie muss er es löschen.

Durch diese Paragraphenänderung ist es gelungen, Jugendliche die Nacktbilder für ihren eigenen Gebrauch – sei es Beziehung, Freundschaft oder was auch immer – anfertigen zu entkriminalisieren. Dennoch bleibt die Möglichkeit der Strafverfolgung bei der Herstellung und Verteilung von der Kinderpornographie erhalten.

Somit ist klar: Ich darf als Jugendlicher ein Nacktbild meiner Freundin oder meines Freundes besitzen – solange diese einverstanden sind. Ich darf es nicht weitergeben. Ich darf es nicht anderen Personen zeigen. Ich darf es nicht auf eine Internetplattform laden. Diese Handlungen bleiben strafbar.

In Deutschland ist die gesetzliche Lage ähnlich wie in Österreich, das entsprechende Gesetz gilt jedoch schon seit längerer Zeit. Genauere Infos dazu hat klicksafe.de gesammelt.

Was können Eltern tun?

Das Betrachten und Besitzen von Nacktbildern hat viel mit Erotik und Vertrauen zu tun, aber auch mit Zusammengehörigkeit und Intimität. Diese Bedürfnisse gilt es zu verstehen und zu respektieren.

Verbote sind wenig hilfreich, weil sie auch wenig zur Medienkompetenz beitragen. Wenn Eltern sich Sorgen machen, können sie dies aber ihrem Kind erzählen. Oft kann schon im Gespräch vieles geklärt werden. Auch sind die meisten medial verbreiteten Horrorgeschichten sind genau das: Horrorgeschichten. Sie sind nicht der Alltag im Sexting. Wie im Straßenverkehr gibt es im Internet und beim Sexting reale Gefahren, die mitbedacht werden müssen.

Der einfachste Hinweis: Zeigen statt senden.

Das Nacktbild anfertigen und dem Partner oder der Partnerin das Handy für einen kurzen Moment in die Hand geben. Somit bleibt das Foto am eigenen Handy und wird nicht (digital) aus der Hand gegeben. Auch das Gesicht am Foto nicht mit zu fotografieren oder auch das Bild nach dem Spruch „weniger ist mehr“ anzufertigen kann helfen. (Artikel auf www.krachbumm.com weiterlesen)

Text: Lukas Wagner und Katja Grach (Team liebenslust*)

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