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Menschen orientieren sich gerne.

Was ist richtig? Was ist falsch? Was ist komisch? Was ist normal? – So geht es uns auch oft mit unseren Körpern. Ständig sind wir am Vergleichen. Brustgröße war lange Zeit ein Thema, die Penislänge hält sich nach wie vor hartnäckig, straffe Hintern, möglichst kleine innere Venuslippen und Sixpacks gilt es aktuell zu erreichen.  Wenn wir im Rahmen unserer sexualpädagogischen Praxis unsere sogenannten Körperbilder und Gipsgenitalien zur Schaustellen macht sich meist Verwunderung breit.

Das erste was Jugendlichen und Erwachsenen auffällt: „Die sind alle verschieden.“

Die Norm des menschlichen Körpers ist nämlich die Vielfalt. Diese hört bei Ohren und Zehen nicht auf, auch Taillen, Genitalien und Schultern sind an jedem Menschen anders. Unser Auge ist jedoch die Photoshop- und Konfektionsgrößen-Norm gewohnt und so übersehen wir oft die Unterschiedlichkeit der Körper, die uns jeden Tag begegnen und fühlen uns „unpassend“, weil unsere Körper nicht „in Form“ scheinen.

Jugendliche stehen dabei vor denselben[1] Dilemmata wie frischgebackene Mütter, Männer mit schmalen Schultern und trans- und intergeschlechtliche Menschen. Andere beklagen ihre Apfel-, Birnen-, Glocken- oder Säulenform. Es gibt tausend Gründe, warum sich eine*r im eigenen Körper nicht wohlfühlen kann. Mal ist es die idealisierte Schönheitsnorm, die gesellschaftliche Erwartung an Männer- und Frauenkörper, die Geschlechtsidentität oder auch eine Gewalterfahrung, die den eigenen Körper scheinbar unbewohnbar macht.

Möglichkeiten, sich den eigenen Körper zu gestalten gibt es daher zahlreiche, aber auch die Ausgangsformen sind vielfältig.

 

körperbilder

Körperbilder von Stefanie Grübl für liebenslust* – demnächst käuflich hier zu erwerben

 

Als Zentrum für sexuelle Bildung und Gesundheitsförderung ist es uns wichtig, diese Gedanken in unseren Workshops weiterzugeben und zu entlasten, wo der mediale Druck scheinbar Unerreichbares vorzeichnet und aufzuzeigen, was ebenfalls möglich ist.

So hat unsere begabte Mitarbeiterin Stefanie Grübl vielfältigste Körperbilder angefertigt, die – vor allem in der Masse verwendet – keine Körperform als „normal“ oder „exotisch“ herausstellen. Körper von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Schwangeren und älteren Personen, Männern, Frauen, transidenten und intergeschlechtlichen Menschen, Menschen mit und ohne Behinderung stehen sich gegenüber und bieten verschiedene methodische Zugänge an, um ins Gespräch zu kommen. Was fehlt sind sexualisierte Darstellungen, weil nackte Körper in erster Linie einmal nackte Körper sind und nicht immer Lust vermitteln (wollen/müssen), wie es uns die Werbung weismacht. Irritationen, Unsicherheiten und Neugier, die beim Betrachten auftauchen sind ausdrücklich erwünscht. Schließlich machen sie das Sprechen über vermeintlich Tabuisiertes möglich.

Sprechen über Vielfalt

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Wann ist mensch männlich-, weiblich-, intergeschlechtlich? Das Gewebe von Klitoris und Eichel ist zumindest dasselbe… Der menschliche Körper kann Vielfalt. Kann unser Weltbild das auch?

Die „Korrektur“ der inneren Venuslippen ist ein schönheitschirurgischer Eingriff, dessen Nachfrage in den letzten Jahren eklatant gestiegen ist. Seit in Pornos Genitalien möglichst nah und möglichst haarlos gezeigt werden, wird auch dieser Körperbereich stärker medial normiert. So gibt es eine bestimmte Form von Peneen, die präferiert wird ebenso wie eine kleine Auswahl „unauffälliger“ Vulven, die über den Bildschirm flimmern. Besonders Jugendliche, die auf der Suche nach Informationen zum Thema Sexualität sind und sich selbst ein Bild davon machen möchten, wie den genau Sex abläuft, stolpern dann oftmals über Körper, die genormt und „bearbeitet“ sind. Sowohl die digitale Nachbearbeitung, als auch Make-Up (ebenfalls im Genitalbereich) und ein Casting nach bestimmten Kriterien machen vor Pornoproduktionen genauso wenig halt wie vor einer dem Dreh einer Tatort-Folge.

Umso größer ist meist das Staunen über die unterschiedlichen Gipsvulven in unseren Workshops. Venuslippen in unterschiedlicher Länge sind dabei genauso zu sehen wie dicke, dünne, kurze, lange oder krumme Penen. Und darunter mischen sich ebenfalls intergeschlechtliche Genitalien, die die Vielfalt der menschlichen Körper nochmal mehr veranschaulichen. Ebenso zeigen die Körperbilder, dass nicht alle Menschen trainiert und an denselben Stellen schlank sind. Hüften sind unterschiedlich breit, Oberkörper unterschiedlich lang, Beine ebenfalls. Gleichzeitig bemerkt eine*r beim Betrachten, dass er*sie nicht unbedingt die medial als Norm gepriesene Körperform attraktiv findet, sondern sich vielleicht von ganz anderen Details angezogen fühlt.  Und genau DAS ist absolut normal und kann irrsinnig entlastend sein.

Gerade auch in der Bikini-Saison.

 

Menschliche Körper sind vielfältig. Das zeigen wir gerne mit unseren Materialien und darüber schreiben wir auch gerne – auch offline. Außerdem halten wir zum Thema Weiterbildungen.

Mit vielfältigen Menschen beschäftigt sich auch unsere nächste Weiterbildung im September zu Sexualität und Behinderung am 02. und 03. Dezember.
Mehr Informationen und die Anmeldung finden Sie hier.

 

 

Text: Stefanie Grübl und Katja Grach (Team liebenslust*)

[1] Natürlich sind schmale Schultern ganz etwas anderes als der Wunsch, seine*ihre Geschlechtsidentität körperlich sichtbar zu machen oder ein Recht auf die eigene Intergeschlechtlichkeit einzufordern. Gemeint ist hier (in verkürzter Form) das Dilemma, das Körper und die Vorstellung davon, wie Körper aussehen sollen (aus Eigeninteresse oder gesellschaftlicher Erwartung) nicht konform gehen.

Liebens- und Lesenswertes…