Wir bleiben Sichtbar!

Das wird jetzt ein wenig länger… 

In den vergangenen Wochen wurde viel über Sexualpädagogik diskutiert und berichtet. Am Mittwoch, dem 3. Juli 2019, beschloss der österreichische Nationalrat mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ, dass externe Vereine zukünftig nicht mehr im Bereich der sexuellen Bildung an österreichischen Schulen tätig sein sollen. Nun liegt der Ball beim Bildungsministerium diesen Beschluss umzusetzen. Wir wissen noch nicht genau was das für die sexualpädagogische Arbeit an Schulen bedeutet. Was wir wissen ist, dass dieser gesamte Ablauf ein bedauerlicher Beleg dafür ist, dass parteipolitische Grabenkämpfe leichtfertig auf dem Rücken von Kindern und Jugendlichen ausgetragen werden und es ein fatales Zeichen an junge Generationen ist, wenn das Thema Sexualität und alle damit verbundenen Themen skandalisiert und tabuisiert werden. 

Wir sprechen uns für zeitgemäße, professionelle Sexualpädagogik aus

Was uns neben der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung heute jedoch umso mehr zu diesem Text bewegt, ist, dass auch Lil* als Zentrum für Sexuelle Bildung wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt wird. Vor allem aber in den Fokus der FPÖ, die seit 2017 jede Gelegenheit wahrnimmt, unsere Arbeit in sozialen Medien, in Zeitungen und im Rahmen von Anfragen im steirischen Landtag zu torpedieren und zu diffamieren. 

Aufgewärmt ist nur das Gulasch gut…

…heißt es zumindest bei unseren Müttern. In Bezug auf die Texte der FPÖ, die zwischen 1. und 2. Juli 2019 über uns veröffentlicht wurden, möchten wir dieses Sprichwort gern bestätigen. Die unwahren und nicht recherchierten Behauptungen aus dem Jahr 2017 wiederholen sich dort – schade irgendwie. Skandalisierende, falsche Botschaften immerfort zu wiederholen scheint die gewählte Medienstrategie, die wir hier feststellen müssen.

Als wir uns entschieden haben, im Bereich der Sexuellen Bildung zu arbeiten, war uns klar: Wir betreten rutschiges Parkett. Die Art und Weise, wie unsere Arbeit – die sich übrigens an den Standards für Sexualpädagogik, die die WHO und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Deutschland entwickelt haben, orientiert – wahrgenommen und dargestellt wird, wird von der politischen Stimmung und der Sensibilität der Medien beeinflusst. Wir haben diese Herausforderung angenommen, und stehen seit vielen Jahren für Transparenz, Qualität und Dialog. Wir haben seitdem Angriffe – auch solche, die in die privaten Lebensbereiche eingriffen und es noch tun – ohne großen medialen Rummel, ohne Schuldzuweisungen, ohne öffentliche Diffamierungen und ohne in die Opferrolle zu schlüpfen, erlebt. Was wir heute mit aller Klarheit wissen ist, wie Diffamierungskampagnen auf einzelne wirken sollen, welchen Zweck sie verfolgen und mit welch politischem Kalkül hier gehandelt wird. Solche Methoden lehnen wir klar ab. Wir stehen für ein konstruktives Miteinander.

Nach der erneuten Befragung der steirischen Bildungslandesrätin Ursula Lackner in der Landtagssitzung vom 2. Juli, in der Lil* erneut als “dubioser Verein” oder “Privatverein” (eine Frage hätten wir da noch: Was ist eigentlich ein Privatverein?) mit „fragwürdigen Methoden‘“ dargestellt wird und damit Unwahrheiten verbreitet werden. Wir lassen uns nicht zum enfant terrible der Sexualpädagogik machen. Es ist für uns an der Zeit, noch deutlicher als je zuvor Stellung zu beziehen und diesen Behauptungen aufs Entschiedenste zu widersprechen.

And again (auch wir können wiederholen) – weil wir gerne nochmals sagen, wie es ist. Und es ist so:

Nach über 35.000 Spam Mails in unseren Postfächern, mehreren Hundert Spam-Kommentaren auf unserem Blog, mehreren Versuchen, unsere Website zu hacken, Berichten in in- und ausländischen – auch russischen.- Medien, wiederkehrenden, schlecht recherchierten und nicht korrekten Darstellungen unseres Vereins in Wortmeldungen und schriftlichen Anfragen, werden wir ganz sicherlich nicht schweigen und eingeschüchtert sein. Wir werden – auch weiterhin das uns Mögliche tun und hier und auf unseren Plattformen über die Diffamierungsstrategien berichten. Wir freuen uns, dass mittlerweile mehr, die ähnliches erleben und erlebt haben mit uns gemeinsam aufzeigen, wie hier permanent die Gürtellinie unterschritten wird. Dies betrifft nicht nur uns und unsere Arbeit, so geht es vielen konstruktiv arbeitenden Menschen in der Steiermark und in Österreich – dieses Prinzip hat System. 

Einige dieser verbreiteten Falschaussagen, die auch in der Landtagsanfrage an Ursula Lackner erneut formuliert wurden, möchten wir an dieser Stelle gerne ausführlicher kommentieren.

Lil* leistet Bildungsarbeit von Multiplikator*innen, in der Konzeptentwicklung, der Informationsgestaltung und Vorträgen. Die „Sexualaufklärung von Schülern“ ist ein Teil unserer Arbeit, nicht unsere Haupttätigkeit. Circa die Hälfte unserer Arbeit entfällt auf Jugendarbeit, wobei wir mit etablierten Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe im Bereich der sexualpädagogischen Konzeptarbeit kooperieren, Workshops und Vorträge auf Fachtagungen in ganz Österreich halten und auf internationaler Ebene mit Partner*innen aus ganz Europa zusammenarbeiten. Wir sind ein ganz gewöhnlicher, gemeinnützig ausgerichteter, bei der Vereinspolizei gemeldeter Verein mit klar formulierten Statuten (welche Vereine gibt es sonst noch so?), der eng mit dem Land Steiermark zusammenarbeitet. Wir gelten keineswegs als „umstritten“, da wir uns den bereits erwähnten Standards verpflichtet fühlen.

Wir stehen in konstantem und regem Austausch mit jedem einzelnem und jeder einzelnen Organisator*in von Workshops, mit Eltern, Lehrpersonen, der zuständigen Behörde und auch dem Bildungsministerium. Seit der Gründung unseres Vereins 2011 ist uns kein einziger Fall einer Beschwerde bekannt – von keiner der genannten Personengruppen. Wir weisen diese Behauptung zurück und weisen darauf hin, dass es so scheint als würde es sich hier um nicht mehr, als den Versuch einer gezielten Diffamierung handeln.

Es ist doch ein bisschen schade um die viele Zeit, oder? 

Die Sexuelle Bildung 2019 in Österreich zu skandalisieren, zu tabuisieren und zu diffamieren ist politisches Kalkül und strategische Überlegung. Wir stehen nicht als Spielball für die Sexuelle Bildung als Fachrichtung zur Verfügung, lassen uns nicht politisch instrumentalisieren. Solche Strategien haben natürlich zum Zweck, Menschen wiederkehrend von ihrer eigentlichen Arbeit abzuhalten – schon klar. “Defunding” nennt sich das, vor allem wenn gemeinnützige Vereine mit relativ wenig Mitteln angegriffen werden. Aber nichts desto trotz werden wir unsere – bereits 2017 ausgesprochene und leider bis dato noch nicht angenommene – Einladung zum transparenten Dialog hier gerne nochmals wiederholen: 

Liebe Vertreter*innen und Verfasser*innen dieser Texte, liebe politischen Verantwortlichen, liebe Alle:

wir laden Sie hiermit herzlich zu uns ein, um sich ein persönlichen Eindruck von uns und unserer Arbeit zu machen. Wir versprechen – es gibt kein Gulasch.

Ein konstruktiver Diskurs lohnt sich – für uns alle!

Wir möchten uns für eine Gesellschaft aussprechen, in der unsere Kinder und Kindeskinder die sozialen Kompetenzen erlernen, um konstruktiv miteinander ins Gespräch zu treten und für ihre Werte einzustehen, ohne dabei andere Menschen anzugreifen. Und genau diese Haltung werden wir auch weiterhin leben.

Die Sexuelle Bildung stärkt junge Menschen, sie klärt auf, sie informiert, sie wirkt gesundheitsfördernd, sie ist wirksam für alle Lebensabschnitte und ist Präventionsarbeit. Sexuelle Bildung ist für ein respektvolles Miteinander förderlich, und was wir daraus machen, ist unsere gesellschaftliche Verantwortung.  

Der Verein lil* genießt eine hervorragende Reputation in der Jugendarbeit, in den Bereichen Konzeptarbeit, Informationsgestaltung, Aus- und Fortbildung. Wir arbeiten seit vielen Jahren unter hohem persönlichen Einsatz aller Mitarbeiter*innen an der Vertrauensbildung, Transparenz, Vernetzung und Professionalisierung des Faches – auf höchstem qualitativen Niveau und mit geringen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Wir stehen für fundierte Sexuelle Bildung der Vielfalt, und wir verstehen uns als Brückenbauer*innen. Unsere Haltung und unsere Werte kann uns niemand streitig machen. Und wir werden sie auch im Lichte der aktuellen Entwicklungen sicherlich nicht aufgeben. 

Zum Schluss lassen wir ein paar Versprechen da: 

Wir werden auch zukünftig nicht schweigen. 

Wir werden unsere wertvolle Arbeit weiterführen. 

Wir werden wichtige Aspekte von Beziehung und Sexualität auch zukünftig nicht Pornografie-Plattformen im Internet überlassen. 

Wir werden Pädagog*innen an österreichischen Schulen nicht alleine lassen und wir werden dabei unterstützen, qualitätsvollen, zeitgemäßen, ent-tabuisierten sexualpädagogischen Unterricht zu leisten.

Die oben genannten Dokumente sind unter folgenden Links zugänglich:

Anfrage an die steirische Bildungslandesrätin Ursula Lackner vom 02.07.2019

https://www.fpoe-stmk.at/fileadmin/user_upload/www.mkunasek.at/PDFs/2019/Befragung_LR_Lackner_-_Sexualpaedagogik_auch_in_der_Steiermark_nicht_laenger_umstrittenen_Privatvereinen_ueberlassen.pdf

FPÖ Presseaussendung von Montag,01.07.2019

https://www.fpoe-stmk.at/news-detail/fpoe-hermann-altersgerechte-und-sachliche-sexualerziehung-statt-sextasche-uschi-und-co/

FPÖ Presseaussendung von Dienstag, 02.07.2019

https://www.fpoe-stmk.at/news-detail/fpoe-hermann-landesraetin-lackner-macht-dubiosen-vereinen-die-mauer/