„Darf’s a bisserl mehr sein?“

Geht es um das Thema Sexualität und Behinderung, kommt irgendwann – und das meistens früher als später – die Sprache auf Sexualassistenz bzw. Sexualbegleitung.

Wir haben schon öfters näher dazu geschrieben, dass Menschen mit Behinderung(en) teilweise Unterstützung in diesem Bereich brauchen, da ihnen oftmals Informationen und/oder Entwicklungsschritte verwehrt bleiben.

Wenn es in die nähere Auseinandersetzung über Sexualassitenz bzw. Sexualbegleitung geht, tauchen viele Fragen auf.  Was verbirgt sich hinter den Begriffen Sexualassistenz/begleitung genau?

Wir haben Margit Schmiedbauer von der Fachstelle .hautnah. gefragt:

Was ist Sexualassistenz/begleitung eigentlich?

„Persönliche Assistenz ist jede Art von Hilfe, die Menschen mit Behinderung in die Lage versetzt, ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu führen.“

Persönliche AssistentInnen arbeiten demnach im Auftrag von Menschen mit Behinderung. Diese entscheiden als ExpertInnen in eigener Sache, was und wie sie eine Leistung haben möchten. AssistentInnen führen diese Tätigkeiten nach Anleitung aus und werden dafür bezahlt.

So ist das auch bei Sexualassistenz: der Kunde/die Kundin bestimmt die zu erbringende „Leistung“.
Sexualassistenz ist ein „ungeschützter“ Begriff für eine sexuelle Dienstleistung und fällt somit in Österreich unter das Prostitutionsgesetz.

Sexualbegleitung ist ebenfalls ein gesetzlich ungeschützter Begriff und meint ebenfalls sexuelle Handlungen gegen Bezahlung. Auch ein begleiteter sexueller Prozess fällt in Österreich unter das Prostitutionsgesetz.

Welche Ausbildung braucht es, um in der Sexualbegleitung zu arbeiten?

Auch wenn die sexuellen Dienstleistungen, die unter dem Namen Sexualbegleitung angeboten werden unters Prostitutionsgesetz fallen, kann diese Arbeit nicht von jedem*r gemacht werden.

Neben der sexualpädagogischen Beratung und anderen Fortbildungsangeboten zu den Themen Sexualität, Beziehung & Behinderung bietet die Fachstelle .hautnah. von alpha nova auch eine konkrete Ausbildung – die LIBIDA-SEXUAL-BEGLEITUNG® – an, sowie die Möglichkeit SexualbegleiterInnen in Anspruch zu nehmen. 

In der Ausbildung und im Angebot geht es um folgende Inhalte, mit denen Menschen mit Behinderungen unterstützt werden können:

  • sich begegnen, berühren und berührt werden,
  • streicheln, massieren,
  • den Körper entdecken,
  • erregt-sein und Befriedigung spüren,
  • Hilfe zur Selbstbefriedigung.

Innerhalb der LIBIDA-SEXUALBEGLEITUNG® werden kein Geschlechtsverkehr, keine oralen Kontakte und keine Zungenküsse angeboten. Diese Regelung schützt KundInnen wie LIBIDA-SexualbegleiterInnen gleichermaßen. LIBIDA-SexualbegleiterInnen arbeiten auf selbständiger Basis und in Kooperation mit der Fachstelle .hautnah.

Außerdem sind gesundheitliche, hygienische und strukturelle Qualitätsstandards in der LIBIDA-SEXUALBEGLEITUNG® festgelegt, wie z.B.: die Ausbildung zum/r LIBIDA-SexualbegleiterIn, Fortbildung, Supervision, Intervision, Jahresgespräche…, die jährlich erfüllt und nachgewiesen werden müssen. Die Grundlage dieser Kooperation bildet die jährliche Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung.

LIBIDA-SEXUALBEGLEITUNG® gibt es für volljährige Frauen und Männer, auf deren ausdrücklichen Wunsch hin. Ob dieses Angebot für Menschen mit Behinderung(en), die in Wohneinrichtungen leben, passt und ausgestaltet werden kann (wo soll der Kontakt stattfinden?), lässt sich in Form eines sexualpädagogischen Konzepts gut festhalten.

Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gilt in jedem Fall für alle*. Das Recht, sexuelle Dienstleistungen zu nutzen, ebenso.

Weiterführende Informationen  unter:

 

Danke an Margit Schmiedbauer für Ihre Expertise.