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Normalerweise werden uns viele Fragen gestellt. Nicht nur zu Sex generell, sondern vor allem an uns als Sexualpädagogen*Sexualpädagoginnen. Also auch persönliche. Wer beruflich über Sexualität spricht, spricht ja auch ein bisschen über sich. Nun ja.

Professionell über Sexualität sprechen

Wer Mathematik unterrichtet, spricht wenig über sich. Wer Englisch unterrichtet, ebensowenig. Bei Sexueller Bildung tun sich allerdings viele im ersten Moment schwer.

Meistens haben wir den Eindruck, dass bei unserem Gegenüber viele Bilder im Kopf über ein mögliches ausschweifendes Sexualleben der Person entstehen, die „einfach so“ über Sexualität spricht. Projektionen sind schließlich etwas ganz Normales. Dabei reden Sexualpädagog*in gar nicht in erster Linie über sich, sondern über Verhütung, Grenzen, klassische Aufklärungsthemen, Körperbilder und Schönheitsideale. Und natürlich spielen dabei eigene Erfahrungen, Werthaltungen uvm. eine Rolle – wie in jedem anderen Bereich auch.

Doch gerade bei einem professionellen Verständnis von Sexueller Bildung, sollten die eigenen Werthaltungen und Erfahrungen schon lange im Rahmen einer fundierten Ausbildung reflektiert worden sein. Dazu müssen sich Sexualpädagogen*Sexualpädagoginnen überlegen,

  • wieviel sie überhaupt von sich selbst Preis geben möchten,
  • ob es Themen gibt, die lieber ausgespart bleiben sollen,
  • ob es Positionen gibt, die selber nicht vertreten werden, aber die rein gesetzlich einen bestimmten Rahmen haben. Abtreibung, Homosexualität, Sexualität und Behinderung sind z.B. sicherlich solche Themen, mit denen nicht immer alle konform gehen.

Dafür macht es absolut Sinn, sich mit der eigenen sexuellen Biografie und den eigenen Werten auseinander zu setzen, um eine professionelle Distanz wahren zu können.

Neben generellen Anliegen zu den Themen Liebe & Sexualität bekommen wir nämlich auch immer wieder Fragen, die sehr persönlich sind. Jugendliche wollen Orientierung. Jetzt steht da endlich jemand vor ihnen in der Klasse oder im Jugendzentrum, den*die sie alles fragen können, der*die womöglich auch schon mal Sex hatte. Natürlich wollen sie wissen wie das ist, was sie machen sollen/müssen/dürfen. Und natürlich wollen sie auch austesten, wie weit sie mit ihren Fragen gehen können. Insofern ist es eine gute Gelegenheit sich Gedanken darüber zu machen, was ich als Sexualpädagoge*Sexualpädagogin beantworten möchte, und was nicht. Das kann auch von mal zu mal unterschiedlich sein. Das kommt auch auf die Atmosphäre in der Gruppe an.

Die Top 5 der meistgestellten persönlichen Fragen:

  1. Hattet ihr schon Sex? Wenn ja, wie oft?
  2. Wie alt seid ihr?
  3. Seid ihr zusammen?
  4. Wie alt ward ihr beim ersten Mal?
  5. Warum macht ihr diesen Beruf?

Manche dieser Fragen beantworten wir, bei anderen sagen wir, dass das zu persönlich ist. Gerade beim Alter zum ersten Mal gilt es zu bedenken, dass mensch durch die Beantwortung einen Richtwert vorgibt.

Andere spannende Fragen aus unserem Fundus…

  • Habt ihr schon mal einen Porno gesehen?
  • Habt ihr euch schon mal selbstbefriedigt?
  • Hattet ihr schon Oralsex? Welche Vorlieben habt ihr? Was ist eure Lieblingsstellung?
  • Warum haben wir keinen Porno angeschaut?
  • Bist du schwul/lesbisch/bi?
  • Wie seid ihr zu diesem Beruf gekommen?
  • Wieso hattet ihr nicht Sex vor uns?
  • Täuscht ihr einen Orgasmus vor?
  • Habt ihr Kinder?

Neben diesen expliziten Fragen gibt es natürlich auch noch reihenweise lustige Zeichnungen, allen voran Penisse und Smileys, sowie zahlreiche grundsätzliche Fragen.

Weil wir wissen, wie persönlich Sexuelle Bildung sein kann, ist dies immer ein wesentlicher Bestandteil unserer Fortbildungen: Fragen beantworten – sowohl inhaltlich als auch sensibel hinsichtlich etwaiger Zwischentöne und dabei persönliche Grenzen setzen. Inhaltliche Basics werden genauso geklärt, wie es Raum zur Auseinandersetzung mit eigenen Einstellungen und Werten gibt.  Das nächste Mal schon im März/April 2018 während den „Basiskompetenzen Sexuelle Bildung“ bei uns in der Dreihackengasse in Graz.

 

Liebens- und Lesenswertes…