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Vielleicht habt ihr euch schon gewundert, wo wir geblieben sind?

…oder vielleicht habt ihr auch gar nichts von dieser Medienpräsenz mitbekommen. In den letzten Wochen wurde die Sinnhaftigkeit unserer Arbeit in verschiedenen Kanälen in Frage gestellt. Wir finden es gut, in der Öffentlichkeit über Sexualpädagogik und Sexuelle Bildung zu sprechen, und die Wichtigkeit des Themas zu diskutieren. Deshalb hat Landesrätin Ursula Lackner gemeinsam mit unseren Kolleg*innen und uns eine Pressekonferenz abgehalten

Jedoch gab es auch gezielte Angriffe, Diffamierungen und Androhungen von Gewalt in dieser Zeit. Der überraschend aggressive Ton in dieser Debatte ist leider nicht neu. Im deutschsprachigen Raum  werden schon seit Jahren Institute, Vereine, Projekte und Einzelpersonen attackiert, die sich mit zeitgemäßer und fundierter Sexueller Bildung auseinander setzen. In Österreich wurden Stimmen laut, als es um den neuen Grunderlass für Sexualpädagogik 2015 ging und die Fach-Broschüre „Ganz schön intim“ des Vereins Selbstlaut erschien.

Besorgnis versus gezielte Kampagnen

Debatte? Naja. Da hätten wir auf der einen Seite gezielte Falschinformation, Vorwürfe des Wahnsinns, der Steuergeldverschwendung und Frühsexualisierung – ohne zu klären was das genau ist, ja sogar Unterstellungen bestimmter sexueller und politischer Ausrichtungen. Konstruktive Kritik sieht anders aus.

Und auf der anderen Seite Eltern, die tatsächlich verunsichert sind darüber, wie sie in Zeiten des Internets wirklich mit ihren Kindern über Sexualität sprechen sollen, was diese schon gesehen haben und was nicht, und was denn diese Sexualpädagog*innen wirklich in den Workshops vermitteln.

Von beiden Seiten hat sich allerdings niemand bei uns persönlich gemeldet. Stattdessen erhielten wir zahlreiche Anfragen für Workshops aller Art – nach wie vor mehr, als wir anbieten können. Wir bekamen viel positives Feedback von Jugendlichen, Projektpartner*innen und Schulen, die uns in dieser aufregenden Zeit den Rücken gestärkt haben. Nach wie vor surfen auf einer Welle der Solidarität (online wie offline) dahin. Danke!

Wir finden Transparenz wichtig. Deshalb sprechen wir auch ganz offen darüber, was wir tun und wie wir arbeiten. Genauso wie viele Kolleg*innen und das macht angreifbar. In Wahrheit geht es also nicht um unseren Verein, sondern um den Angriff auf eine zeitgemäße Sexuelle Bildung; wie auch in den Jahren davor. Unter den Angreifer*innen finden sich dabei immer wieder dieselben Akteur*innen. 

Bitte verstehen Sie uns nicht falsch: Personen sollen ihre Meinung äußern wo und wie sie wollen. Braucht es dafür wirklich diese Art von Angriffen, Gewaltandrohungen und Petitionen? Wir haben es nicht gern, wenn Leute, die uns gar nicht kennen (und so unsere Vermutung: uns gar nicht kennen lernen wollen) unsere wunderbaren Texte gezielt auseinanderreissen, um daraus scheinbar Skandalöses zu kreieren und unsere Konzepte abwerten. Geht das nicht auch ein bisschen respektvoller und konstruktiver? (Dafür müsste allerdings Interesse an einer Lösung bestehen…)

Uns verwundert nämlich, dass wir die „Kritiker*innen“ gar nicht kennen. Nicht eine Anfrage haben wir erhalten, wie denn unsere vielbesprochenen Materialien nun wirklich zum Einsatz kommen. Denn alle, die unser Team und unsere Arbeit kennen, wissen: Bei uns sind Gespräche erwünscht, Kritik erlaubt und Feedback immer gern gehört. So nehmen wir auch die aktuelle Aufruhr zum Anlass für ein genaueres Hinschauen und noch mehr Transparenz. In den nächsten Wochen werden euch daher sicher auch Veränderungen auf unserer Webseite auffallen.

Wir bleiben laut, bunt, direkt, fundiert und unaufgeregt

Also, lasst uns doch gemeinsam und konstruktiv überlegen, wie wir jenen Menschen, die sich in Österreich für eine fundierte, zeitgemäße, positive und selbstbestimmte Form der Sexualpädagogik mittels viel Motivation und Engagement einsetzen, jene Öffentlichkeitsarbeit zukommen lassen, die sie verdienen. Dafür braucht es uns alle.

Wir sind uns sicher, dass wir dem Hass und der Abwertung etwas entgegensetzen können. Argumente sind wirkungsmächtig, genauso wie Begegnungen auf Augenhöhe und eine gute Portion Humor und Leichtigkeit. Wir nutzen unseren öffentlichen Raum und stehen mit Stolz für ein friedliches, respektvolles Miteinander!

Mit besten und friedlichsten Grüßen aus dem liebenslust* Büro.